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Angst vor Geistern

Angst vor Geistern

„Mama, hier gibt‘s Geister“. Vielleicht kennen Sie das auch: Ihr Kind sieht Geister, Monster und andere schreckliche Phänomene und hat im schlimmsten Fall Angst davor. Warum es jetzt nicht hilft, als rational denkender Mensch zu sagen: „Ach, Quatsch! Geister gibt es nicht – das bildest Du Dir nur ein!“ – und was Sie als Eltern stattdessen jetzt tun sollten.


Es gibt Trauma auslösende Ereignisse wie der Kontakt mit dem Internetphänomen „Momo“, das Ansehen nicht jugendfreien Film- und Bildmaterials oder auch der Besuch einer Geisterbahn, die Angst vor schrecklichen Phänomenen hervorrufen können. Im Kinder- und Jugendcoaching lassen sich diese Ängste mit wirkungsvollen Methoden aus der Trauma- und Gestalttherapie lösen. Verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche brauchen hier professionelle Hilfe! Dennoch gibt es das Phänomen „Angst vor Geistern“ bei einigen Kindern auch ganz ohne ein vorausgegangenes Ereignis als erkennbare Ursache – und genau darum soll es heute gehen.

 

Schritt 1: Verstehen und Akzeptieren

Auch wenn Eltern ihren Kindern gern erzählen, dass es keine Geister gibt und man als rational denkende Menschen auch gar nicht anders kann, deren Existenz ausschließen: Helfen kann nur, wer die Wahrnehmung ernst nimmt und sich mit ihr auseinandersetzt.

Okay, Sie gehören nicht zu den Menschen, die Geister spüren, sehen und mit ihnen in Kontakt treten können? Dann versuchen Sie es zumindest einmal so zu sehen: Spätestens wenn Ihr Kind sagt, dass es Geister, Monster oder andere Phänomene wahrnimmt, gehört es zu seiner eigenen Realität. Durch Verleugnen dieser Tatsache erreichen Sie daher nur eins: Ihr Kind wird sich unverstanden und hilflos fühlen – und das vergrößert seine Angst zusätzlich. Und Sie wollen ja nicht, dass es Ihrem Kind schlecht geht und am liebsten hätten Sie doch alles schnell wieder in Ordnung!? Gut, dann beginnt Heilung in der Situation als erstes mit dem Akzeptieren der Wahrheit Ihres Kindes: Es gibt Geister und es kann sie spüren, sehen oder hören. Interessieren Sie sich für das, was es wahrnimmt. Hören Sie aufmerksam zu – ohne zu bewerten und nehmen Sie es in den Arm.

Schritt 2: Angst nehmen

Ein guter Ansatz in der Auseinandersetzung mit der Wahrnehmung ihres Kindes könnte die Volksweisheit sein: Wer sich nicht vor Geistern fürchtet, dem können sie nichts anhaben. Erklären Sie Ihrem Kind zum Beispiel, dass erst die Horrorgeschichten, von denen man gehört hat oder die man in Büchern und Filmen gesehen hat, Angst vor Geistern machen. Angst entsteht dabei durch das Unbekannte.

Sorgen sind wie Gespenster: Wer sich nicht vor ihnen fürchtet, dem können sie nichts anhaben. (dt. Sprichwort)

Nehmen Sie Ihrem Kind die Angst, indem Sie sich schlau machen, was es mit dem Phänomen Geister auf sich haben könnte. Wer die Hintergründe kennt, kann angstfrei damit umgehen. Sagen Sie also in etwa so etwas wie: „Ich verstehe, was Du da wahrnimmst. Es gibt aber nichts zu befürchten, vor Geistern muss man keine Angst haben – lass uns einfach gemeinsam schauen, was da los ist.“


Schritt 3: Herausfinden, um was es geht

Wenn jemand gestorben ist, sagen Kinder manchmal, dass die Verstorbenen sich in irgendeiner Form bemerkbar machen. Eltern sagen dann oft, das ist Einbildung oder Wunschdenken. Aber wie sicher können Sie sein? Kontakt erfordert in jedem Fall Resonanz. Jemand, der also nicht an Kontaktmöglichkeiten mit Verstorbenen glaubt, wird nichts fühlen, sehen oder hören. Das ist ein Gesetz – genauso wie das, dass Kommunikation im Allgemeinen nur zustande kommt, wenn mindestens zwei den Wunsch danach haben. Warum sollten diese Gesetze dann nicht auch über den Tod hinaus gelten und Kommunikation mit Verstorbenen möglich machen.


Wir sind die Schöpfer unserer Realität

So kann es vorkommen, dass wir etwas wahrnehmen, das für uns real ist, aber eben nur für uns. Dass Ihr Kind die Stimme oder das Bild eines Verstorbenen wahrnimmt, ist und bleibt also etwas sehr Persönliches – so wie es Seelenbeziehungen auch sind. Vielleicht haben Sie schon einmal davon gehört, dass Menschen, die eine lange Zeit ihres Lebens intensiv zusammengelebt haben, kurz nacheinander sterben. Oder haben es bereits selbst einmal erlebt, dass Sie an jemanden sehr intensiv denken und dieser Jemand ruft dann plötzlich an oder steht unverhofft vor Ihnen. Wenn all das möglich ist, warum sollte es dann nicht auch möglich sein, Kontakt zu einer Seele zu haben, wenn sie nicht mehr körperlich existent ist? Natürlich kann es auch sein, dass unsere Intuition uns fehlleitet und dass wir in Ereignisse oder Dinge etwas hineininterpretieren, weil wir unfähig sind, mit den Geschehnissen umzugehen. Aber wie sicher können Sie sein?


Manches liegt außerhalb der Vorstellungskraft

Was, wenn der Prozess des Loslassens nach dem Tod eines Menschen beide Seiten betrifft? Wie heilsam kann es sein, wenn Sie Ihrem Kind erklären: Dass eine Seele manchmal nicht sofort in die nicht-körperliche Existenz übergeht. Gründe kann es viele geben, zum Beispiel ein unverhoffter Tod wie Unfall oder plötzlicher Herzstillstand. Warum sollte eine Seele dann nicht auch den Wunsch haben, etwas zu sagen, genau wie Hinterbliebene, deren Gedanken oft nach dem Verlust darum kreisen, was sie alles noch gern gesagt oder gefragt hätten?


Was wäre zum Beispiel, wenn Seelen sich einfach nur noch mal vergewissern wollten, dass alles in Ordnung ist und die Hinterbliebenen auch ohne sie zurecht kommen.

Wenn Ihnen diese Vorstellung schwer fällt, machen Sie sich klar, dass auch Menschen im Hier und Jetzt mit einer Lebensphase abgeschlossen haben müssen, um wirklich eine neue beginnen zu können. Nicht umsonst gibt es Menschen, die nach einer traumatischen Trennung zum Beispiel nie wieder einen Partner gefunden haben – oder nach einem plötzlichen Verlust des Arbeitsplatzes einfach nicht mehr in die Arbeitswelt gefunden haben. Sie haben das Trauma nicht verarbeitet und verkraftet. Warum sollte das nicht auch bei nicht-körperlichen Seelen so sein?


Schritt 4: Liebevolle Begleitung zum Loslassen

Was Sie jetzt sagen sollten: Sagen Sie Ihrem Kind, dass es wichtig ist, dem Verstorbenen zu vermitteln, dass er gehen darf, nämlich weitergehen auf seinem Weg. Dass es in Ordnung ist und wir auch auf unserem Weg weitergehen, obwohl der geliebte Mensch nicht mehr physisch da ist.

Fragen Sie auch, was Ihr Kind, das Angst vor Geistern hat, glaubt, was der Verstorbene vielleicht mitteilen wollte – und sagen Sie Ihrem Kind, dass es abschließend sagen soll, dass es die Botschaft verstanden hat. Oft löst sich die Angst vor Geistern dann in Luft auf.



Scheuen Sie nicht, Hilfe zu suchen, wenn das Thema Angst vor Geistern Ihr Kind nicht loslässt.